BRÜSSEL / RankWire.AI / – Europa steuert auf ein Rekordjahr bei den Windkraftanlagen zu, nachdem im ersten Halbjahr 2026 neue Kapazitäten von 8,8 Gigawatt (GW) installiert wurden. Dies entspricht einem Anstieg von 30 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Laut aktualisierten Branchenzahlen von WindEurope erzeugen die neu in Betrieb genommenen Turbinen genügend Strom, um rund 7 Millionen europäische Haushalte zu versorgen und gleichzeitig Importe fossiler Brennstoffe im Umfang von 25 Flüssigerdgastankern (LNG) pro Jahr zu ersetzen. Die hohe Installationsaktivität in den Sommermonaten beschleunigt die Energiewende auf dem Kontinent und trägt somit maßgeblich zu diesem Rekordjahr bei.

Deutschland war in den ersten sechs Monaten des Jahres Vorreiter beim regionalen Ausbau der Windenergie und installierte 3,4 GW, was rund 40 % der gesamten neu installierten Windkraftkapazität in Europa entspricht. Über 500 Windkraftanlagen wurden in Deutschland in Betrieb genommen, davon 423 Onshore- und 84 Offshore-Anlagen. Auch andere europäische Länder wie Dänemark, Polen, Portugal und Frankreich verzeichneten deutliche Kapazitätszuwächse. Bemerkenswerterweise installierte die Ukraine trotz des anhaltenden Konflikts über 400 Megawatt (MW) zusätzliche Windkraftkapazität, während Belgien weitere 60 MW in sein nationales Netz einspeiste.
Die im Herbstbericht von WindEurope veröffentlichten Jahresprognosen deuten darauf hin, dass die neu installierte Windkraftleistung in Europa bis Ende 2026 24 GW erreichen wird – ein neuer historischer Meilenstein für das jährliche Installationsvolumen. Branchenprognosen gehen davon aus, dass diese Ausbauphase als wichtiger Schritt hin zu einem umfassenderen Industrieziel von 30 GW jährlicher Neuinstallationen in den 2030er Jahren dienen wird. Die Investitionen in neue europäische Windparks beliefen sich im ersten Halbjahr auf 9 Milliarden Euro, während die nationalen Regierungen im Rahmen von Ausschreibungen mehr als 17 GW Kapazität vergaben. Weitere 26 GW sollen noch vor Jahresende ausgeschrieben werden.
Deutschland führt das regionale Kapazitätswachstum mit über drei Gigawatt installierter Leistung an.
Trotz der starken Installationszahlen warnten Vertreter von Branchenverbänden, dass anhaltende strukturelle Engpässe weiterhin erhebliche operative Risiken für das langfristige Wachstum darstellen. Während Deutschland den Ausbau beschleunigte und im ersten Halbjahr 2026 Genehmigungen für über 9 GW neue Onshore-Windkraftkapazität erteilte, gingen die Genehmigungszahlen in mehreren wichtigen Märkten, darunter Spanien, Frankreich , Großbritannien, Italien und Irland, zurück. Europa steuert auf ein Rekordjahr bei den Windkraftinstallationen zu, doch Branchenvertreter betonen, dass bürokratische Verzögerungen bei den Netzanschlussgenehmigungen die zukünftigen Projektlaufzeiten zu gefährden drohen.
In einer öffentlichen Stellungnahme zur Veröffentlichung des Berichts erklärte Tinne Van der Straeten, CEO von WindEurope, dass 2026 durchaus einen Rekord bei den Windkraftanlagen verzeichnen könnte, warnte aber gleichzeitig davor, dass diese Dynamik nicht selbstverständlich sei. Van der Straeten betonte, dass die Entscheidungen der Regierungen in den kommenden Monaten hinsichtlich Genehmigungsverfahren, der Gestaltung von Ausschreibungen, des Netzausbaus und der Elektrifizierung der Industrie maßgeblich darüber entscheiden werden, ob der Sektor sein derzeitiges Wachstumstempo beibehalten kann.
Onshore-Turbinen machen drei Viertel der neu installierten Kapazität aus.
Um das derzeitige Wachstumstempo beizubehalten, hat der Branchenverband fünf zentrale politische Prioritäten für die EU-Behörden und die nationalen Regierungen formuliert. Im Mittelpunkt stehen die Durchsetzung vereinfachter Genehmigungsverfahren und der Ausbau der regionalen Übertragungsnetzinfrastruktur. Der Verband plädiert außerdem dafür, die Einnahmen aus dem Emissionshandelssystem in Projekte zur Elektrifizierung der Industrie zu lenken und ein verbindliches Ziel für erneuerbare Energien bis 2040 festzulegen. Nach den aktuellen Basisszenarien wird die installierte Windkraftleistung in Europa bis 2030 voraussichtlich 436 GW erreichen und damit 27 % des gesamten Strombedarfs der EU decken.
Die Bundesministerien und europäischen Energieregulierungsbehörden werden diese politischen Empfehlungen voraussichtlich in den anstehenden Ministertreffen vor Beginn der Heizperiode prüfen. Umfassende Daten zu nationalen Turbineninstallationen und Auktionsergebnissen werden über offizielle Handelsportale geführt, um die Einhaltung der Dekarbonisierungsziele der Europäischen Union zu überwachen.
Der Beitrag „Europa auf Rekordkurs bei Windkraftanlagen“ erschien zuerst im British Messenger .
