WIEN, ÖSTERREICH / EuroWire / — Österreich hat eine neue nationale Baunorm für Dachbegrünung und verwandte Außenflächen verabschiedet und damit der klimagerechten Gebäudebegrünung einen festeren Platz im österreichischen Baurecht eingeräumt. Die Austrian Standards veröffentlichte die ÖNORM B 1131 mit Erscheinungsdatum 15. April 2026. Die Norm legt Anforderungen für die Planung, Ausführung und Pflege der dauerhaften Begrünung von Dächern und Decken im Außenbereich fest und umfasst Nutzungen wie Gebäude, Tiefgaragen, begrünte Brücken und Lawinengalerien.

Die neue Regelung ersetzt die bisherige ÖNORM L 1131 und überträgt das Thema von einer Landschaftsgestaltungsnorm in den Rahmen der Baunormen. GRÜNSTATTGRAU, ein österreichisches Kompetenzzentrum für Gebäudebegrünung, erklärte, die Aktualisierung berücksichtige neuere Verfahren wie Solarbegrünung, Rückhaltesysteme und Systeme mit Fokus auf Biodiversität. Die Änderung bietet Architekten, Ingenieuren, Bauunternehmen und Immobilieneigentümern einen baubezogenen Bezugspunkt für Planung und Instandhaltung, wobei der Fokus weiterhin auf permanenten Installationen und nicht auf gewerblichen oder landwirtschaftlichen Produktionsflächen liegt.
Die Maßnahme fügt sich auch in Österreichs umfassenderen Klimaanpassungsplan ein. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klimaschutz, Umwelt, Regionen und Wasserwirtschaft hat seine 2024 verabschiedete, aktualisierte nationale Anpassungsstrategie so benannt, dass Bauwesen und Wohnen Handlungsbedarf erfordern. Darin werden bauliche Maßnahmen zum Schutz von Gebäuden vor Hitze gefordert. Frühere Materialien des Ministeriums beschreiben die Dach- und Fassadenbegrünung als Maßnahme zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas, zur Förderung der Biodiversität und zur Aufnahme von bis zu 90 % des Niederschlags. Dadurch wird der Oberflächenabfluss bei Starkregen reduziert und gleichzeitig in wärmeren Perioden ein kühlender Effekt erzielt.
Österreich integriert Dachbegrünung in die Bauordnung
Die neue Norm von 2026 bezieht sich zwar speziell auf Dächer und Außenterrassen, erscheint aber in einem politischen Umfeld, in dem Fassadenbegrünung in Österreich bereits etabliert ist. Die Austrian Standards hatten 2021 die ÖNORM L 1136 für vertikale Begrünung veröffentlicht und damit einen separaten technischen Rahmen für Wand- und Gebäudeflächen geschaffen. Zusammen bieten die Normen formale Richtlinien für die wichtigsten Arten der Gebäudebegrünung und geben Kommunen, Planern und Eigentümern klarere technische Vorgaben, während grüne Infrastruktur immer mehr in die gängige Praxis des städtischen Bauens und der Sanierung Einzug hält.
Wien bietet eines der deutlichsten Beispiele dafür, wie diese Maßnahmen in lokale Vorschriften umgesetzt werden. Die Stadt Wien erklärt, dass die Änderung der Bauordnung von 2023 die Begrünung von Dächern und Fassaden erleichtert, die grüne Infrastruktur gestärkt und ein Verbot der Einleitung von Regenwasser in die Kanalisation eingeführt hat. Die Stadt fördert zudem Begrünungs- und Bodensanierungsmaßnahmen durch Förderprogramme und verknüpft so die Gebäudeplanung direkter mit dem Regenwassermanagement und der Hitzeminderung in dicht bebauten Gebieten.
Klimaanpassung wird in die Praxis umgesetzt
Für die Baubranche schafft die Änderung einen praktischen Standard für die Planung, den Bau und die Pflege von Dachbegrünungen. Laut den österreichischen Normen gilt das Dokument für die dauerhafte Begrünung von Dächern und Decken im Außenbereich und schließt sehr kleine Dachflächen unter 10 Quadratmetern sowie bestimmte steile oder besonders tiefe Begrünungssysteme aus. Dieser Detaillierungsgrad ist wichtig für Ausschreibungen, Konformitätsprüfungen und Wartungspläne, da Gründächer auf Wohn-, Gewerbe- und öffentlichen Gebäuden in österreichischen Städten immer häufiger anzutreffen sind.
Die Bedeutung dieser Maßnahme liegt in ihrer Umsetzung. Der neue Standard begründet zwar nicht die österreichische Klimapolitik, bietet Planern und Bauherren aber eine aktualisierte technische Grundlage für die Umsetzung von Maßnahmen, die von den österreichischen Behörden bereits als relevant für Hitzebeständigkeit, Regenwassernutzung und urbane Biodiversität identifiziert wurden. Indem die Dachbegrünung zu einem Baustandard erhoben und mit bestehenden Fassadenvorschriften und kommunalen Maßnahmen verknüpft wurde, hat Österreich ein breit gefasstes Ziel der Klimaanpassung in konkretere Bauvorschriften umgewandelt.
Der Beitrag „Österreich setzt Gründachstandard zur Klimaanpassung“ erschien zuerst im British Messenger .
